Nicholé Velasquez

Fotografie

Remise
Am Tempelhofer Berg 6

Nicholé Velasquez | Freuden und Tag

Ob er nackte Körper, Landschaften oder entstehende Wolkenkratzer erfasst, Nicholé Velasquez tut es auf eine sehr sanfte und atmosphärische Weise. Seine analogen Mehrfachbelichtungen enthüllen und verhüllen zugleich, sie wirken, als seien sie stets in Bewegung, in Zuständen des Transitorischen befindlich. Im nächsten Moment, so scheint es, könnte ein Schleier ganz hinweggezogen werden und ein Motiv deutlicher hervortreten, oder sich eine weitere farbig-transparente Motivschicht auf das Bild herabsenken. Wie an einem Wolkenhimmel überlagern und durchdringen sich die vorbeiziehenden Gebilde, leuchten auf, gewinnen Kontur in einem Lichtstrahl und entschwinden erneut.

Seine Technik der Motiv-Überlagerungen in einem einzelnen analogen Negativ hat Nicholé Velasquez in einem Jahrzehnt perfektioniert. Er hat, ohne sie unmittelbar sehen zu können, eine klare Vorstellung vom Ergebnis seiner Kompositionen, die im „Darkroom“ seiner Kamera entstehen. Selbst das Quäntchen Zufall, das hineinspielt, ist klar kalkuliert.

Gelegentlich treibt er seine Kompositionen bis an den Rand völliger Abstraktion, bis hin zu Farbexplosionen, zitiert kubistische Arrangements, dann wieder fügen sich Versatzstücke von Landschaften zu einem Bild, das an Breughel erinnert. Die Reflexion der Kunstgeschichte schwingt immer mit.

Durch die Technik der Mehrfachbelichtung, die vordergründig zu sehr ästhetischen Kompositionen führt, kann sich aber auch ein subversives Potential entfalten. Wenn etwa ein Bankgebäude durch die Vermischung der Bildschichten auf hinter- und untergründige Weise in den Turmbau zu Babel, in das Symbol des Hochmuts und der Tyrannei verwandelt wird, bewegen wir uns in biblischen und zugleich sehr aktuellen Dimensionen: denn Resultat ist hier wie dort eine globale Sprachverwirrung.

Nicholé Velasquez ist Romantiker. Ganz im ursprünglichen Sinne einer Opposition zur nüchternen Klassik, in der wenig Raum ist für Phantasmen, Träume und Sagenwelten. Er zelebriert das Schillernde, das Numinose, das Flüchtige (dem er allerdings in seinen Bildern auf Metall eine gewisse Ewigkeit zu verleihen sucht).

In seiner Ausstellung „Freuden und Tage“ in der Remise am Tempelhofer Berg zeigt er mit seinen Spiegelplatten und Arbeiten auf Papier in ausgewählten Werken alle Facetten seines bisherigen Schaffens.

Exklusiv zur Ausstellung erscheinen zwei Editionen (24×30 cm auf Photo Rag, Auflage 10) zum Preis von 150 Euro.